Mittelalter im Island-Lexikon

Im Mittelalter brach für Island ein ausgesprochen düsteres Zeitalter an. Im 13. Jahrhundert wird Island politisch unselbständig und eine über Jahrhunderte andauernde Fremdherrschaft beendet das Zeitalter der frühen Demokratie. Unter der norwegischen Herrschaft kam es bereits Ende des 13. Jahrhunderts zu einer dramatischen Verschlechterung der wirtschaftlichen und sozialen Lage.

Obwohl der damals herrschende König Olaf von Norwegen Schiffslieferungen mit Nahrungsgütern zugesagt hatte, die mit isländischen Exportgütern bezahlt werden sollten, blieben diese Lieferungen mehr und mehr aus. Hungersnöte und Epidemien trieben daraufhin viele Isländer in den Ruin. Zwar hätten die in Norwegen mittlerweile ansässigen Kaufleute der Hanse gern Handelsbeziehungen mit Island geknüpft, dem stand aber das Handelsmonopol der norwegischen Krone im Wege.

Als 1380 der dänische König auch König der Norweger wurde, geriet Island unter dänischen Einfluss. Das Handelsmonopol über Island wurde nun auch durch die dänische Krone übernommen. Die Versorgung der Isländer durch Dänemark war noch viel schlechter als die frühere Belieferung durch die Norweger. Und ein Handel mit anderen Nationen blieb den Isländern verwehrt. Schmuggler und Piraten übernahmen den illegalen Handel mit der Insel. Besonders Engländer übernahmen den Kontakt zu Island.

Die Interventionen Dänemarks ließen sich mit deren schlecht gerüsteter Flotte gegen England nicht durchsetzen. Die Engländer errichteten deshalb im 15. Jahrhundert feste Stützpunkte auf Island. Englische Piraten hatten an der ungeschützten isländischen Küste leichtes Spiel und plünderten wiederholt isländische Küstenorte. Ende des 15. Jahrhunderts wurden die Handelsaktivitäten zwischen dem dänischen Königreich und Island wieder aktiviert. England willigte 1540 in die Zahlung einer Handelssteuer ein. Haupthandelswaren der Isländer waren zu dieser Zeit Kabeljau, Schafsfelle, Talg und Schwefel.

War das Mittelalter in Island durch einen lang anhaltenden wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Niedergang gekennzeichnet, hielt diese Periode bis in das 18. Jahrhundert weiter an. Nach der Pestepidemie im 15. Jahrhundert fielen im 18. Jahrhundert wahrscheinlich bis zu 18.000 Menschen den Schwarzen Blattern zum Opfer. 1627 fielen 3000 maurische Seeräuber in Island ein. Sie bezogen auf den Westmänner Inseln Stützpunkt und verwüsteten ganze Küstenstriche. Isländer wurden in die Sklaverei nach Nordafrika verkauft.

Eine im 17. Jahrhundert einsetzende Klimaänderung ließ mehrere strenge Winter nacheinander folgen. Tausende Isländer verhungerten oder erfroren. Schwere Vulkanausbrüche (Laki) in den Jahren 1783 und 1784 forderten weitere Todesopfer. Der Laki-Ausbruch des Jahres 1783 gilt noch heute als einer der schlimmsten geschichtlich dokumentierten Vulkanausbrüche. Wie beim legendären Krakatau-Ausbruch in Asien soll damals Asche um den ganzen Erdball geschleudert worden sein. Etwa ein Drittel der Bevölkerung Islands starb beim Ausbruch des Vulkans oder in der Folgezeit durch die hereinbrechende Hungersnot.

Damals dachte das dänische Königreich ernsthaft daran, die restliche Bevölkerung Islands zu evakuieren und in Jütland neu anzusiedeln. Die dramatische Lage wird von der Tatsache verschärft, dass es zwischenzeitlich auf Island fast kein Brennholz mehr gab. Die einstmals vorhandenen Wälder waren restlos abgeholzt. Oft vegetierten die Menschen gemeinsam mit dem wenigen verbliebenen Vieh auf engstem Raum, um sich gegenseitig wenigstens einigermaßen Wärme spenden zu können. Durch die Handelsblockade Dänemarks war es unmöglich, auf legale Weise Handel zu treiben und damit die wirtschaftliche Situation zu verbessern.

Erst als das dänische Handelsmonopol gelockert wurde, verbesserte sich die Lage in Island allmählich wieder.



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Parlamentarische Republik Amtssprache: Isländisch
Hauptstadt: Reykjavík
Einwohnerzahl: ~313.376
Fläche: 103.125 km²
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Zeitzone: UTC+0
Kfz-Kennzeichen: IS
Internet-TLD: .is
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