Sagas im Island-Lexikon

Der Beginn der Aufzeichnung isländischer Sagen (Sagas) reicht in das 13. Jahrhundert zurückt. Die Sagas gehören zu den bedeutendsten literarischen Leistungen des Mittelalters. Die Isländer waren überhaupt die ersten Schriftsteller, die Prosawerke in ihrer eigenen Sprache schriftlich festhielten. Vorher geschah dies ausschließlich in Latein. Die ersten isländischen Sagenschreiber blieben bis heute anonym. Der Inhalt der Sagen ist noch heute umstritten. Ob sie bloße Fiktion sind oder einen wirklichen historischen Hintergrund beinhalten, darüber streiten die Gelehrten noch heute. Die bedeutendsten Sagas können vom literarischen Wert durchaus neben den alten griechischen Mythen bestehen. Der Begriff „Saga“ heißt übersetzt im wörtlichen Sinne eigentlich „Gesagtes“. Man hat sich auf den Begriff „Geschichte“ geeinigt. Ursprünglich wurden geschichtliche Darstellungen und Biographien nordischer Könige aufgezeichnet.

Später folgten skandinavische „Heldengeschichten“ und Übersetzungen französischer Rittergeschichten. Dann gibt es noch den großen Fundus an Märchensagas und die Darstellung der isländischen Machtkämpfe im 13. Jahrhundert. Der größte Teil der Sagas behandelt die Zeit von der Landnahme bis zur Christianisierung. Auch die danach folgenden Jahrzehnte werden in den etwa 40 Chroniken verschiedener isländischer Familien und Sippen beschrieben. Die meisten Ereignisse liegen also mindestens 200 Jahre vor ihrer Niederschrift im 13. Jahrhundert zurück. Lange Zeit galten die Sagas als historische Dokumente der Zeitgeschichte. Jüngere Forschungen verweisen aber auf den stark fiktiven Charakter der Geschichten.

Man geht heute davon aus, dass geschichtliche Zusammenhänge aus der Zeit der Niederschrift in die Landnahmezeit projiziert wurden. Nur wenige Sagenschriftsteller wurden bekannt. Einer der wenigen ist Snorri Sturluson, der die vielgelesene „Heimskringla“ verfasste und dem auch die Saga von Egill Skallagrímsson zugeschrieben wird.

Inhalt der Sagas

Den Inhalt von Sagas kurz zusammenzufassen, fällt schwer. Die Geschichten entstanden in einer Zeit blutiger Machtkämpfe. Island, die einst erste freie Republik Nordeuropas, wurde durch interne Machtkämpfe eine leichte Beute fremder Monarchen (Norwegen, Dänemark). Die Sagas sollen wohl rückblickend eine Warnung an die Zeitgenossen im 13. Jahrhundert darstellen. Die stark verwobenen Handlungen, die in epischer Breite meist mehrere Generationen einer Familie überspannen, handeln von Konflikten, Rechtsstreitigkeiten und Morden. Meist bleiben die heroischen isländischen Helden Sieger über fremde Mächte. So fordert der Held Snorrason vom norwegischen König Schönhaar mit dem Schwert in der Hand die Aushändigung einer rechtmäßigen Belohnung. Die Wirklichkeit sah im 13. Jahrhundert ganz anders aus. Norwegen hatte Island unterworfen und die Sagas waren Ausdruck des Wunsches der Inselbewohner nach der Rückkehr der guten alten Zeit.

Der Stil der Sagas ist einfach und schlicht. Die Erzählungen werten nicht nach Gut und Böse im heutigen Sinne. Es werden auch keine moralischen Urteile gefällt. Die Sagengestalten werden meist sehr differenziert dargestellt. Reine „Schurken“, wie wir sie in deutschen Märchen und Sagen kennen, sind selten. In einer christlichen Zeit entstanden, glorifizieren die Sagas zum Teil die Wikingerzeit und die Moral der Menschen der Vorzeit.

Unterschieden werden in den Sagas die „lichten Helden“, denen das Glück lacht – meist unerschrocken, gut aussehend, tapfer und gebildet – und die „dunklen Helden“, die Glücklosen – unangenehm und meist von hässlicher Gestalt. Ein solcher rauer Typ ist zum Beispiel der Held Grettir der Starke aus der Grettis Saga. Er besiegt zwar einen bösen Dämonen, wird von diesem aber verflucht und musste lange Jahre in der Verbannung verbringen.

Bedeutende Sagas

Viele der bedeutendsten Sagas wurden von Forschern im 17. und 18. Jahrhundert von Island nach Dänemark geschafft. Hier hatten die Wissenschaftler einfach bessere Möglichkeiten für ihre Forschung. Island stand zur damaligen Zeit unter dänischer Herrschaft. Die Dokumente wurden über 200 Jahre in der Universität Kopenhagen aufbewahrt. Der hohe symbolische Stellenwert dieses Kulturschatzes für die Isländer brachte es automatisch mit sich, dass man nach der Unabhängigkeit 1944 die Rückgabe der Originaldokumente forderte. Zunächst war Dänemark nicht zur Aushändigung bereit. Erst jahrelange zähe Verhandlungen ermöglichten die Zusage für eine Rückgabe im Jahre 1961.

Es vergingen noch zehn Jahre bis die beiden ersten bedeutenden Dokumente wieder in Island eintrafen. Es handelte sich dabei um die „Codex Regius“ mit Gedichten der Edda und das „Flateyrbók“, einer Sagensammlung. Insgesamt 1800 Manuskripte wurden zwischenzeitlich durch Dänemark ausgehändigt. Diese Manuskripte werden heute im Arní Magnússon-Institut aufbewahrt. Arní Magnússon war ein bekannter isländischer Sprachforscher.

Schauplätze der Sagas

Forscher haben jahrelang versucht, wichtige Schauplätze der Sagas zu lokalisieren. In einigen Fällen ist dies auch gelungen. Zwar existieren die beschriebenen Gebäude schon lange nicht mehr, doch anhand der Landschaften lassen sich Schauplätze rekonstruieren. Einer der bekanntesten Sagenplätze „Snorris Wasserbecken“ befindet sich in Westisland, in Reykholt. Es wurde rekonstruiert und kann besichtigt werden. In diesem Wasserbecken soll der große Held Snorri Sturluson sein Bad genommen haben.

Ganz in der Nähe des Brunnens wurden Überreste der Farm Erik des Roten gefunden, dem die eigentliche Entdeckung Amerikas lange vor Kolumbus zugeschrieben wird. Einige Schauplätze der Njáls Saga liegen im Südwesten Islands im Gebiet von Rangárvalas?sla, einem Gebiet in dem auch die Handlung vieler anderer Sagas angesiedelt ist.



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