Mückensee im Island-Lexikon

Der Mývatn, zu deutsch Mückensee, liegt in einem der vulkanisch aktivsten Gebiete der Erde. Das Gebiet um den See gilt als touristisch besonders attraktiv. Obwohl der Mývatn meist sieben Monate zugefroren ist, liegt er in einem der niederschlagsärmsten (nur etwas 400 mm Regen pro Jahr) und zugleich sonnenreichsten Gebiete Islands . Deshalb wird der See im Sommer häufig von Touristen besucht. Bereits die Wikinger wussten das günstige Klima zu schätzen. Ausgrabungen wiesen auf eine sehr frühe Besiedlung kurz nach der Landnahme hin. Den direkten Nachfahren der ersten Siedler gehört noch heute mit rund 6.000 km² der größte Landbesitz Islands überhaupt. Der Ort und das zugehörige Hotel Reykjahlið tragen den Namen der Familie. Zu Reichtum gelangte die genannte Familie vor allem durch den Schwefelabbau, der bis 1845 im Gebiet um den Mückensee betrieben wurde. Allerdings übernahm im 16. Jahrhundert Dänemark den Abbau und den Handel des für die Schießpulverproduktion begehrten Rohstoffs.

Bis in das 18. Jahrhundert wurde am Mývatn vor allem Landwirtschaft betrieben. Schwere Vulkanausbrüche in den zwanziger Jahren des 18. Jahrhunderts brachten allerdings diesen Wirtschaftszweig fast vollständig zum Erliegen. Heute dominiert der Tourismus rund um den Mückensee. Bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts stieg die Zahl der Besucher am Mývatn, was zum Bau des ersten Hotels in Reykjahlið in den vierziger Jahren führte. Der kleine Ort entwickelte sich bis heute zu einem wichtigen touristischen Knotenpunkt (zwei Hotels, Supermarkt, Tankstelle, Campingplatz). Die 1972 erbaute Kirche steht an der Stelle des alten Holzbaus, der beim großen Vulkanausbruch 1729 nicht zerstört wurde. Der Lavastrom floss um die Kirche herum, was allerdings auf den erhöhten Standort zurückzuführen war. Obwohl die Christen damals natürlich an die göttliche Vorsehung glaubten.

Die Entstehung des 37 km² großen Mývatn geht, wie so vieles in Island, auf vulkanische Aktivitäten zurück. Lavaströme schlossen eine hier befindliche Senke ab und verhinderten den Abfluss des von den Gletschern stammenden Schmelzwassers. In der Senke bildete sich der See, der knapp 300 Meter über dem Meeresspiegel liegt und sehr flach ist. Die durchschnittliche Tiefe des Mývatn beträgt nur zwei Meter und an der tiefsten Stelle wurden keine fünf Meter gemessen. Durch die günstigen klimatischen Bedingungen siedelten sich am See eine reiche Flora und Fauna an. Die zahlreichsten Vertreter der Fauna sind zum Leidwesen der Touristen die kleinen Tierchen, die dem See seinen Namen gaben. Im Sommer trifft der Besucher hier auf Myriaden von Mücken, was zu einer erheblichen Plage werden kann. Dass diese Mücken nicht stechen, mag nur ein geringer Trost sein, eine Belästigung stellen sie auf jeden Fall dar.

Die Mücken spielen eine wichtige Rolle im Ökosystem des Sees. Die Unzahl von Mückenlarven ließ eine große Population an Forellen im See entstehen. Bei den Isländern ist deshalb im Winter das Eisangeln sehr beliebt. Ein Abfluss des Sees, der Laxá-Fluss bietet darüber hinaus weitere ertragreiche Fischgründe. Wie schon aus dem Namen hervorgeht, werden hier hauptsächlich Lachse gefangen. Aber nicht nur im See herrscht reges Leben. Die Seeufer werden von unzähligen Vögeln bevölkert. Tausende Wasservögeln nisten alljährlich an den Seeufern des Mývatn.

Besucher können den See mit dem Auto umrunden. Die Straße ist allerdings nicht asphaltiert. Nordwestlich der Ortschaft Reykjahlið überquert die Piste unmittelbar am See den Lavastrom des großen Vulkanausbruchs von 1729. Das Lavagebiet trägt den Namen Eldhraun (Feuerlava).

Rings um den See erheben sich eine ganze Anzahl aktiver und ruhender Vulkankegel. Im Westen liegt der Tuffvulkan Vindbelgjarfall, dessen 530 Meter hoher Gipfel relativ leicht bestiegen werden kann. Die Gipfelsicht ist unübertroffen. Zu Füßen des Betrachters liegt der Mývatn, im Westen der kleine See Sandvatn und östlich des Mückensees die Lavafelder von Dimmubórgir und der Explosionskrater Hverfell.

Direkt am Südufer des Mývatn liegen die Pseudokrater von Skútustaðagígar. Pseudokrater kommen nur auf Island vor, außer am Mückensee noch in Südisland. Diese eigenartigen Gebilde entstehen, wenn die glühende Lava über feuchten Untergrund (Sümpfe, flache Teiche) fließt. Das verdampfende Wasser baut in der Lava einen Druck auf, der explosionsartig entweicht. Der austretende Dampfstrahl reißt Lava mit sich empor, die beim Niederfallen kleine Schlackekegel erzeugt, was zur Ausbildung der sogenannten Pseudokrater führt. Etwa zur gleichen Zeit wie die Pseudokrater entstanden die Lavagebilde von Dimmubórgir. Das Wort heißt zu deutsch etwa „dunkle Burgen“ und charakterisiert ganz treffend die Lavagebilde, die sich östlich des Mückensees auftürmen. Von einer Aussichtplattform kann man über die bis zu zwanzig Meter hohen Felsgebilde schauen, aber auch ein Spaziergang durch das Lavalabyrinth ist lohnenswert.

Unweit Dimmubórgirs liegt der Vulkankrater Hverfell. Er ist in wenigen Minuten vom Lavafeld aus zu Fuß erreichbar. Der 150 Meter hohe Kraterrand (452 Meter über dem Meeresspiegel) kann auf einem steilen Pfad mit etwas Anstrengung erstiegen werden. Vom Kraterrand aus bietet sich der Blick in die Tiefe (140 Meter) auf den Grund des Kraters sowie über den gesamten Vulkankrater mit seinem Durchmesser von 1200 Metern. Ein ähnlich schöner Ausblick, wie vom Vindbelgjarfall belohnt den Wanderer für die Mühen des Aufstiegs.


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