Thingvellir im Island-Lexikon

Als Wahrzeichen Þingvellirs gelten die Kirche aus dem Jahr 1859 und eine kleine Gruppe von Holzhäusern unmittelbar bei der Kirche. Die Häuser werden zum Teil von Mitarbeitern des Nationalparks bewohnt, ein anderer Teil dient dem isländischen Ministerpräsidenten als Sommersitz. Eine Besichtigung der Kirche ist durchaus lohnenswert, auch wenn viele Veranstalter, die eine Besichtigung des „Goldenen Zirkels“ an einem Tag planen, dafür keine Zeit vorsehen. Für den individuellen Besucher bietet die Kirche mit ihrer Ausstattung aus dem 17. Jahrhundert vor allem ein wertvolles Altargemälde mit einer bewegten Geschichte. Das Altargemälde verschwand von der Insel und tauchte plötzlich in England auf der Isle of Wight wieder auf. Nach langwierigen Bemühungen konnte es erst 1974 nach Þingvellir zurückgeholt werden. In Island bekannt ist auch eine der drei Glocken der Kirche. Während die beiden anderen bereits aus dem Mittelalter bzw. dem 17. Jahrhundert stammen, wurde die dritte Glocke erst 1944 anlässlich der Unabhängigkeitserklärung des Landes gegossen. Mit der „Islandsklukkan“ wurde 1944 die Unabhängigkeit verkündet. Etwas nördlich der Kirche befinden sich Ruinen der Bischofshütte, der größten Behausung Þingvellirs aus der Wikingerzeit.

Touristen, die etwas Zeit für eine Besichtigung des Nationalparks mitgebracht haben, können nach dem Besuch des historischen Althings noch eine Wanderung anschließen. Die meisten Wege führen zunächst zu einer alten Schafswirtschaft, die in den dreißiger Jahren des vorigen Jahrhunderts aufgegeben wurde. Etwas südlich der Farm liegt die Höhle Skógarkotshellir.

Mit dem Auto geht es von Þingvellir aus leicht in alle Richtungen. Es handelt sich dabei um asphaltierte Straßen, auf denen man in westlicher Richtung nach Reykjavik gelangt, nach Norden zum Gulfoss und weiter zur Kjölur (Hochlandpiste), nach Osten zum Geysir und in südliche Richtung nach Selfoss.

Von Þingvellir kommend gelangt man über die Straße 37 (alternativ von Süden auch über die Straße 35) zur zweiten Attraktion des „Goldenen Zirkels“, dem Gebiet der Geysire. Der Stóri Geysir, der „Große Geysir“, ist der Namensgeber aller Wasserspeier auf der ganzen Welt. Nur leider speit der Geysir gar kein Wasser mehr oder nur noch ganz selten. 1924 brach der Große Geysir erstmalig aus, stellte später aber seine Aktivität wieder fast gänzlich ein. Im Juni 2000 erweckten die Folgen eines starken Erdbebens den Stóri wieder zum Leben, allerdings nur für wenige Wochen. Damals schossen Wasser- und Dampffontänen bis zu 60 Meter in die Höhe. Die Isländer erzwingen heute am Nationalfeiertag eine Eruption, indem sie etwa 50 Kilogramm Seife in den Geysir kippen.

Touristen müssen sich mit dem wesentlich kleineren, dafür aber sehr „verlässlichen“ Strokkur (Butterfass) zufrieden geben. Der Strokkur eruptiert regelmäßig aller fünf bis sieben Minuten und schießt eine etwa 20 Meter hohe Wassersäule empor. Das ganze Gebiet ist geothermisch aktiv. Markierte Pfade führen durch das Gelände mit dampfenden Erdspalten und farbigen Schlammtümpeln. Etwas Vorsicht ist beim Besuch geboten. Keinesfalls sollte man die markierten Wege verlassen und einen gewissen Sicherheitsabstand vom Strokkur einhalten.

Nur neun Kilometer vom Gebiet der Geysire entfernt, liegt das dritte Highlight des „Goldenen Zirkels“, der Wasserfall Gullfoss. Der „Goldene Fall“ ist der bekannteste, wenn auch nicht der größte Wasserfall der Insel. Vom Parkplatz führt ein Wanderpfad zum Doppelwasserfall, in dem sich der Hvítá-Fluß 32 Meter tief in eine Schlucht stürzt. Bei Sonnenschein sieht man oft Regenbogen durch das Sprühwasser. Pfade führen bis ganz dicht an die Kaskaden des Wasserfalls heran.


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