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Westfjorde im Island-Lexikon

Die Westfjorde gelten als besonders rauer und unfruchtbarer Landstrich auf Island. Steile, felsige Küsten, steil aufragende Berge und tief in das Land einschneidende Fjorde kennzeichnen den äußersten Nordwesten Islands. Mangels verwertbarer Ackerböden waren die ersten Siedler schon darauf angewiesen, sich die Nahrungsmittel fast ausschließlich aus dem Meer zu holen. Reisen über Land stellten schon die alten Wikinger der Westfjorde auf eine harte Probe. Schneelawinen und Erdrutsche waren und sind eine ständige Bedrohung für die wenigen Einwohner. So wurde erst im Jahr 1995 das kleine Dorf Súðavik von einer Schneelawine verschüttet, bei der 14 Menschen den Tod fanden. Im gleichen Jahr kostete eine Lawine im Dörfchen Flateyri sogar zwanzig Menschenleben. Der zähe Überlebenskampf in den Westfjorden brachte eine ganz eigene Kultur der Bewohner hervor. So ist hier auch der Glaube an Zauber, Elfen und Geister viel stärker ausgeprägt als in den anderen Landesteilen. Die schweren Lebensbedingungen und die Fangquoten für die Fischereiindustrie führten in der Neuzeit zu einer starken Abwanderung der ohnehin schon geringen Bevölkerung. Mittlerweile sind ganze Landstriche unbewohnt. Viele einsame Gehöfte wurden aufgegeben. Touristen finden nur eine ganz schwach entwickelte Infrastruktur und meist sehr schlechte Straßen vor.

Ein Besuch der Westfjorde ist aber speziell für Vogelkundler und Vogelfreunde ein unvergessliches Erlebnis. Die steil aufragenden Felsen sind Nistplätze für Millionen von Seevögeln. Hier können sie fast gänzlich ungestört brüten.

Die Westfjorde sind aus geologischer Sicht der Landesteil, der die ältesten Spuren der Vergletscherung aufweist. Das ganze Gebiet erstreckt sich auf einem mindestens 15 Millionen Jahre alten Lavaplateau. Fossile Schichten deuten auf Wälder hin, die zwischen gewaltigen Vulkanausbrüchen diesen Teil der Insel bedeckten. Die Siedlungsgebiete der ersten Bewohner der Westfjorde entstanden während der letzten Eiszeit. Hier bildeten sich die tief eingeschnittenen Meeresbuchten und Täler heraus. Das Abschmelzen des mächtigen Gletschers, der einst die Westfjorde bedeckte, ließ diese fast zu einer Insel werden. Die schmale Landenge, die verblieb, ist zwischen den beiden Fjorden Gilsfjörður und Bitrufjörður nur sieben Kilometer breit.

Der einzige größere Ort in den Westfjorden heißt Ísafjörður und wird von etwa 3500 Einwohnern bewohnt. An dieser Stelle liegt der beste natürliche Hafen der Westfjorde und einer der besten Häfen Islands überhaupt. Die ältesten noch erhaltenen Gebäude des Ortes stammen aus dem 18. Jahrhundert. Zu besichtigen sind neben den für isländische Verhältnisse fast schon antiken Gebäuden das Schifffahrtsmuseum und das Handelshaus (Faktorhús). Das Schifffahrtsmuseum gibt in einer Ausstellung einen Überblick über die Geschichte der Stadt und ihrer Fischereiindustrie. Im Faktorhús befindet sich das Restaurant Sjomannastofan. Hier gibt es typische isländische Seemannsgerichte und einen herrlichen Hafenblick gratis dazu. Oberhalb des Ortes befindet sich das Skizentrum von Seljalandsdalur. Der breite und tief eingeschnittene Fjord, an dem Ísafjörður liegt, teilt die Westfjorde fast in zwei Hälften. Nordwestlich von Ísafjörður, fast an der Mündung des Ísafjarðardjúp, befindet sich der zweite größere Ort des ganzen Gebietes. Hatte Bolungarvík Ende der neunziger Jahre des vorigen Jahrhunderts noch fast 1100 Einwohner, so sind es jetzt kaum noch 900.

Bolungarvík weist den Charakter eines reinen Fischerdorfes auf. Sehenswertes kann der Ort kaum aufweisen, sieht man einmal vom Naturhistorischen Museum ab. Interessant ist außerdem die wellblechgedeckte Kirche Hólskirkja aus dem Jahr 1908. Die kleine Siedlung Ósvör östlich von Bolungarvík wurde als frei begehbares Freilichtmuseum gestaltet.

Seit 1975 ist eine Autofahrt im Westfjord Ísafjarðardjúp etwas einfacher geworden. Die Route 61 führt direkt an der Südküste der Bucht entlang und geht durch die wenigen kleinen Dörfer. In Mjóifjörður gibt es die einzige Tankstelle in diesem Küstenabschnitt. Eine der ganz wenigen Geothermalquellen in diesem Gebiet gibt es im kleinen Ort Reykjanes. Die Quelle versorgt einen Pool, das Sommerhotel und Gewächshäuser. Im Naturschutzgebiet Kaldalón an der Nordseite des Ísafjarðardjúp liegt der einzige noch vorhandene Gletscher der Westfjorde, der Drangajökull. Aber auch dieser Gletscher geht in den letzten Jahren rapide zurück. Kurz hinter der Bucht Kaldalón endet die Route 635 am Tal Unaðsdalur. Hier beginnt die besonders schroffe und unwegsame Schneeberg-Küste. Mit dem Fahrzeug ist dieser Teil der Westfjorde unpassierbar. Selbst im Hochsommer liegt hier oft bis auf Meereshöhe Schnee. Das Naturreservat Hornstrandir im äußersten Norden der Westfjorde ist nur per Boot zu erreichen. Eine Fähre verkehrt im Sommer von Ísafjörður aus in dieses völlig unbewohnte Gebiet. Eine erstaunlich üppige Vegetation erwartet den Besucher, der allerdings nur zu Fuß das Gebiet erkunden kann. Motorfahrzeuge aller Art sind hier absolut verboten. Es gibt auch keine befestigten Wege für Fahrzeuge und keine festen Unterkünfte im Reservat. Spärliche Reste einstiger Besiedlungen sind dagegen noch vorhanden. Saumpfade führen als einzige Verbindungswege zu entlegenen Buchten über Bergpässe. Die Reise von Ísafjörður kann als abenteuerlicher Tagesausflug gebucht werden. Manche unternehmen auch mehrtägige Trekkingtouren durch diese Einsamkeit. Als Übernachtungsmöglichkeit bleibt dann aber nur das mitgenommene Zelt. Ebenso ist die gesamte Verpflegung mitzuführen, da es, wie bereits erwähnt, keinerlei Siedlung im Naturreservat gibt.

Im Fjord Ísafjarðardjúp liegen zwei bewohnte Inseln, die Eiderenteninsel (Æðey) und Vigur. Allerdings gibt es hier sehr viel mehr Vögel als menschliche Bewohner. In Vigur gibt es immerhin ein Cafe und ein eigenes Postamt. Viele Besucher stecken ihre Postkarten hier „am Ende der Welt“ ein. Eine Umrundung eines Teils der Westfjorde auf den Straßen Nr. 60 und 61 stellt durchaus eine Herausforderung für den Fahrer (als Tourist meist eines Mietwagens) dar. Viele Pässe sind zu überqueren. Den Schwierigkeitsgrad eines Passen sollen die Einwohner früher an der Anzahl der durchlaufenen Fischhäute, die sie unter den Fußsohlen trugen, gemessen haben. Heute sind eher die Nerven der Autofahrer und die Stoßdämpfer und Federung des Autos gefordert. Der höchste Pass Breiðadalsheiði (610 Meter) ist oft wegen Schneeverwehungen und Lawinen gesperrt. Ein Tunnel ist in Planung. Für die Bewohner der Westfjorde ist deshalb das Flugzeug zum wichtigsten Verkehrsmittel geworden.

Eine Besonderheit hat das kleine Dorf Suðureyri am Fjord Súganda zu bieten. Die steilen Felswände des Fjords werfen im Winter vier Monate lang so lange Schatten auf das Dorf, dass vor dem 22. Februar kein Sonnenstrahl den Ort erreichen kann. Erst dann steht die Sonne wieder so hoch, dass der Ort aus dem Dauerschatten heraustritt. An diesem Tag wird im Dorf alljährlich das Fest „Sonnenscheinkaffee“ gefeiert. Am Önundar-Fjord liegt der beste Sandstrand des Westens. An wenigen Sonnentagen im Sommer erwärmt sich das Meer auf Temperaturen, bei denen die hartgesottenen Einwohner des nahe gelegenen Dorfes Flateyri baden gehen. Ein Bad im Angesicht des Eismeeres soll auch schon der eine oder andere Besucher gewagt haben.

Europas westlichste Landspitze liegt in den Westfjorden auf Island. Die Vogelfelsen von Látrabjarg sind die Attraktion dieses westlichsten Punktes Europas. Die über 440 Meter hohen Felsen sind Brutplatz einer großen Wasservogelkolonie. Hier lassen sich auch die possierlichen Papageitaucher ganz in Ruhe beobachten. Aber wie gelangt man da hin? Vom Südosten kommend, führen die Routen 62 und 63 zum westlichten Punkt Europas. Die Straße 63 führt über die Fischerdörfer Bíldudalur und Tálknafjördur (etwas abseits der Straße liegend) zum einzigen größeren Ort Patreksfjördur. Hier gibt es Unterkunftsmöglichkeiten (Gästehaus, Jugendherberge), Geschäfte, Restaurant und ein Schwimmbad. Zur abgelegenen Halbinsel mit dem Látrabjarg führt die Route 612. Den höchsten Punkt der Vogelfelsen erreicht man dann nur noch zu Fuß. An diesen Felsen spielte sich im Winter 1947 eine dramatische Rettungsaktion ab. Ein englischer Fischtrawler lief vor der Küste auf Grund und geriet in Seenot. Einheimische ließen sich daraufhin an Seilen die steilen Klippen hinab und retteten den Seeleuten das Leben. Immerhin musste eine etwa 200 Meter hohe Steilwand überwunden werden.

Die Route 62 führt an der Südküste der Westfjorde durch ein ausgesprochenes Schlechtwettergebiet. In diesem Küstenabschnitt leben kaum noch 500 Menschen. Die Fischgründe gelten wegen des flachen Meeres als schlecht. Die Gegend wurde allerdings bereits zu Wikingerzeiten besiedelt. Von der Südküste aus, genauer gesagt vom Ort Brjánslækur gibt es eine Fährverbindung zur Snæfellsnes-Halbinsel. Damit lässt sich eine langwierige Fahrt auf kurvenreichen Straßen um den Süden der Westfjorde vermeiden. Alternativ zur Fähre führt die Route Nummer 60 Richtung Süden um die Fjorde. Dieser lange Weg führt durch ein Gebiet, welches durch sein schlechtes Wetter berüchtigt ist und nur wenige Sehenswürdigkeiten aufweist.






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