Westmänner-Inseln im Island-Lexikon

Vor der Südwestküste Islands liegt der mit über 40 Inseln, Schären und Inselchen größte zum Land gehörende Archipel der Westmänner-Inseln. Die Inselgruppe ist erdgeschichtlich noch sehr jung, selbst im Sinne eines Menschenlebens. Die jüngste Insel der Westmänner entstand erst im Jahr 1963. Ein Vulkanausbruch unter dem Meer war die Geburtsstunde von Surtsey. Auf dem kleinen Eiland, das nur von Forschern betreten werden darf, lässt sich ganz aktuell die Ansiedlung von Leben auf einem zunächst völlig toten Landstrich beobachten.

Die erste Besiedlung der Inselgruppe geht auf eine Bluttat zurück. Kurz nach der Erstbesiedlung Islands ermordeten irische Sklaven ihren damaligen Herren, einen Wikinger und flüchteten mit einigen Sklavinnen auf die Westmänner-Inseln. Allerdings lebten sie nur etwa zwei Wochen hier. Isländische Siedler spürten das Lager auf und töteten die ehemaligen Sklaven.

Die Hauptinsel der Westmänner mit dem Hauptort Heimaey wird von reichlich 5000 Menschen bewohnt. Hier lebt ein eigenständiges und sehr zähes kleines Volk. Jahrhunderte währende Isolation, viele Naturkatastrophen und die unwirtlichen, fast lebensfeindlichen Bedingungen auf den kleinen Inseln haben die Bewohner gestählt. Die Westmänner-Inseln sind zerklüftet und von steilen Klippen umgeben. Die vorhandene Vegetation ließ die Inseln zu einem idealen Nistplatz vieler Vogelarten werden.

Die Geschichte der kleinen Inselgruppe liest sich wie ein spannender Roman. Nach der ersten kurzen Besiedlung durch Sklaven lebten einige isländische Farmer relativ ungestört, bis Piraten die Inseln zum Ziel ihrer Beutezüge machten. Wohl als späte Vergeltung für die Raubzüge der Wikinger wurden die Inseln immer wieder geplündert. Vor allen britische Piraten liefen die Westmänner an. Im 17. Jahrhundert verschlug es türkische Piraten zu den Küsten. Bis heute halten sich die Geschichten über den türkischen Einfall mit den Todesopfern und der Verschleppung von über 200 Insulanern in die Sklaverei. Epidemien und die verheerende Eruption des Laki im Jahr 1783, der die Fischbestände rund um die Inseln nahezu vollständig vernichtete, dezimierte die Bevölkerung. Die Einwohner der Westmänner mussten Ende des 18. Jahrhunderts mangels Fisch fast ausschließlich von Seevögeln und Wurzeln leben. Auch schwere Stürme forderten viele Opfer unter den Fischern der Westmänner. Historisch verbürgt ist die Tatsache, dass bei zwei Orkanen jeweils mehr als fünfzig Männer ums Leben kamen. Wenn man bedenkt, dass zur damaligen Zeit weniger als 350 Menschen auf den Inseln lebten, kann man sich die Tragweite solcher Ereignisse vorstellen. Auch im Laufe des 19. Jahrhunderts kamen über 100 Seeleute ums Leben.


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Parlamentarische Republik Amtssprache: Isländisch
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